Roth, Hermann

Hermann Roth (* 23. Juli 1904 in Biel; † 1986) Architekt und Schriftsteller

Mitglied im Berner Schriftstellerinnen und Schriftsteller Verein (BSV).

Leben

„In Bauernstuben auf dem Buchhalterberg mag noch heute schmiedeisernes Beschläg zu sehen sein, das Vorfahren Hermann Roths geformt haben. Einer der Vorfahren legte aber den Schmiedehammer hin und zog ins Seeland, wo man geschickte Hände zur Herstellung von Uhrgehäusen suchte. Das war Hermann Roths Urgrossvater. Sein Vater wuchs dann in Biel auf und wandte sich dem Kaufmannsstande zu. Auch Hermann wurde dort am 23. Juli 1904 geboren. Heimatort blieb Buchholterberg. Es regte sich in ihm früh die Gestaltungsfreude, die ihren ersten Niederschlag in besonderer Lust am Zeichnen und Malen fand und auch seine spätere Berufswahl – er bildete sich zum Architekten aus – bestimmte.

In der entscheidenden Zeit der Entwicklung riss ihn eine schwere Erkrankung jäh aus der beruflichen Ausbildung und unterbrach sie auf Jahre. Sein Zustand gebot dauernden Aufenthalt im Hochland. So siedelte er ins Engadin über, das dann zur geliebten Wahlheimat wurde, wo er noch heute als Architekt mit eigenem Bureau in St. Moritz das ererbte Formengestalten weiterübt.

Mit 18 Jahren 'verfiel' er Goethes Faust und machte nebenher in Lessings Werken die ersten dramaturgischen Entdeckungen. In 'Sturm und Drang' versuchte er sie schöpferisch umzusetzen, warf aber das so entstandene 'köstliche Unding' ins Feuer, bevor die Öffentlichkeit seiner gewahr wurde. Ein wohlwollender Kenner und Mentor wies ihn auf Gottfried Keller und darauf hin, dass alles Grosse einfacher Art sein müsse. Nun folgten Versuche auf Versuche, an denen sich sein Kriterium schlecht und recht entwickelte. - Statt nunmehr mit offenen Augen und heiterem Sinn die weite Welt sehen zu dürfen, lernte er müde und fiebernd auf Liegestühlen der Sanatorien eine andere kennen, sah auf eigene Art 'das grosse Sterben' an sich vorüberziehen. Das gab seinem literarischen Schaffen die persönliche Note. Er richtete sich auf die Überwindung des grossen Leides. Als sie sich am eigenen Leib und eigener Seele abzuzeichnen begann, erwachte die Lust am unbeschwerten Fabulieren und leuchtete wie ein sonniger Sprühregen nach schwerem Gewitter versöhnend in sein literarisches Bemühen hinein und wandelte es von Grund auf. Es suchen sich seitdem in seinem Schreiben bewusst und unbewusst, gewollt und ungewollt die zwei wesensfremden Strukturen der Tragik und des Frohsinns immer wieder zu vereinigen.

Nach wiedergewonnener Gesundheit holt er gerne Pickel und Seil oder im Winter die Bretter von der Winde, denn das Wandeln über Gipfel und Gräte, das Fahren über weisse Hänge und Gletscher wurde ihm zur Liebhaberei. - 1945 verehelichte er sich mit der Komponistin Anny Dalbert.

Hermannn Roth ist Präsident des Kunstvereins St. Moritz.“ (Quelle: Berner Schrifttum 1925-1950, Francke 1949, S. 136-137)

Werke

  • Bi Stettlers het er agchlopfet - Hörspiel, Radio Bern 1947
  • Zu Hörspielen sind von Radio Bern ferner vier Novellen aus Mönsche wi mir - Bärndütschi Gschichte (1942) bearbeitet worden

Bestände UB Bern