Pulver, Liselotte

Liselotte Pulver genannt Lilo Pulver (* 11. Oktober 1929 in Bern) ist eine schweizerische Schauspielerin.

Persönlicher Beitrag

Heute dumm, faul, frech, leichtsinnig, morgen raffiniert, ehrgeizig, kühl, enthaltsam. Mal nachgiebig, mal dickköpfig, mal toller Hecht, mal armes Würstchen. Immer von einem Extrem ins andere. überängstlichkeit wechselt ab mit Tollkühnheit, Grosszügigkeit mit Pedanterie, Weltkarriere mit Weltuntergang. Habe ich Fieber, denke ich sofort an den Tod, sinkt es unter 37 Grad, reisse ich schon wieder Bäume aus... (ca. 1994)

Leben und Wirken

Die Tochter eines Tiefbauingenieurs besuchte ab 1945 die Handelsschule und arbeitete nach dem Diplom 1948 als Mannequin. Sie liess sich am Berner Konservatorium zur Schauspielerin ausbilden und erhielt am Stadttheater Bern erste kleine Rollen, danach wurde sie am Schauspielhaus Zürich engagiert.

Im deutschen Sprachraum wurde sie bekannt durch die Rolle der Vreneli in den Verfilmungen der Romane von Jeremias Gotthelf in Uli der Knecht und Uli der Pächter . Ab Mitte der 1950er Jahre avancierte Liselotte Pulver mit Ich denke oft an Piroschka, Die Zürcher Verlobung und Das Wirtshaus im Spessart vor allem in der Bundesrepublik Deutschland zum Publikumsliebling. 1960 spielte sie in dem Film Das Glas Wasser von Helmut Käutner an der Seite von Gustaf Gründgens. In den 1950er und 1960er Jahren zählte sie zu den populärsten Darstellerinnen des deutschsprachigen Kinos. International bekannt wurde sie 1961 in Billy Wilders Komödie Eins, zwei, drei, in der sie das blonde Fräuleinwunder Fraulein Ingeborg spielte und in einer Szene in einem gepunkteten Kleid zur Musik von Aram Chatschaturjans Säbeltanz auf dem Tisch tanzte. Internationale Anerkennung erfuhr die Schauspielerin auch durch die Einladung für die Wettbewerbsjury der Internationalen Filmfestspiele von Cannes 1961. 1964 war sie für ihre Rolle als Sonya in Staatsaffären (A Global Affair) zudem für einen Golden Globe Award als Beste Nebendarstellerin nominiert.

Liselotte Pulver filmte nicht nur in Deutschland, sondern stand auch für zahlreiche französische Produktionen vor der Kamera, unter anderem zweimal an der Seite von Jean Gabin. Ihre wohl anspruchsvollste Rolle spielte sie in dem von Jacques Rivette inszenierten Film Die Nonne als Äbtissin, die sich in eine ihrer Schützlinge verliebt. 1980 wurde sie für ihr langjähriges und hervorragendes Wirken im deutschen Film mit dem Filmband in Gold ausgezeichnet. Im Laufe ihrer Schauspielkarriere erhielt sie sechsmal den Bambi. 1996 wurde sie mit der Platin Romy geehrt, der weitere Auszeichnungen für ihr Lebenswerk folgten. Charakteristisch für ihre Persönlichkeit ist ihr aussergewöhnliches und herzhaftes Lachen, das zu ihrem Markenzeichen geworden ist.

Seit den 1970er Jahren war sie nur noch äusserst selten im Kino zu sehen, auch ihre Fernsehauftritte nahmen ab. Ein kleines Comeback im Kinderfernsehen erlebte sie 1978 bis 1983 als Lilo in der gespielten deutschen Rahmenhandlung der Sesamstraße im NDR. Nachdem sie in einigen TV-Produktionen und Kinofilmen zu sehen war, stand sie 2007 in dem Remake Die Zürcher Verlobung – Drehbuch zur Liebe zum bisher letzten Mal vor der Kamera. Mittlerweile lebt sie zurückgezogen in einer Altersresidenz für betreutes Wohnen am Stadtrand von Bern. Liselotte Pulver war von 1961 bis zu dessen Tod 1992 mit dem Schauspieler Helmut Schmid verheiratet, mit dem sie auch in Gustav Adolfs Page und Kohlhiesels Töchter spielte. Aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor: Marc-Tell (* 1962) und Melisande (1968–1989). Ihre ältere Schwester ist die Journalistin Corinne Pulver, die 1993 das Buch Melisandes Tod über ihre Nichte geschrieben hat.

Liselotte Pulver hat mehrere autobiografische Bücher veröffentlicht. Im Jahr 1977 erschien unter dem Titel Ich lach', was soll ich weinen auch eine Langspielplatte mit zwölf Neuaufnahmen ihrer Filmsongs und weiteren Liedern.

Autobiographien

  • Die Lachstory. (zusammen mit Corinne Pulver) Droemer-Knaur, Zürich 1974, ISBN 3-85886-036-0
  • ... wenn man trotzdem lacht. Tagebuch meines Lebens. Ullstein, Frankfurt am Main und Berlin 1993, ISBN 3-548-22918-2
  • Bleib doch noch ein bisschen. Langen Müller, München 1996, ISBN 3-7844-2546-1 (aktuell unter ISBN 3-548-35771-7)
  • Meine Wunder dauern etwas länger. Geschichten und Bilder aus meinem Leben. Langen Müller, München 2000, ISBN 3-7844-2744-8
  • Das Geheimnis meines Lachens. Langen Müller, München 2004, ISBN 3-7844-2969-6

Literatur

  • Corinne Pulver: Lilo. Meine Schwester. Edition Erpf, Bern und München 1990, ISBN 3-905517-12-4

Weblinks

Bestände UB Bern

Quellen

Dieser Text entstand auf Grundlage der Freien Enzyklopädie Wikipedia und wurde am 20.02.2011 hier eingestellt. Der Originaltext wurde unter der GNU Free Documentation License und der Creative Commons Lizenz (CC-BY-SA) veröffentlicht. (Originalversion in der Wikipedia)