Meier, Gerhard

Gerhard Meier (* 20. Juni 1917 in Niederbipp; † 22. Juni 2008 in Langenthal) war ein Schweizer Schriftsteller.

Mitglied im Berner Schriftstellerinnen und Schriftsteller Verein (BSV).

Persönlicher Beitrag

Meier hat schon als Jugendlicher zu schreiben begonnen. Vom 20. bis zum 40. Lebensjahr enthielt er sich der Literatur aus Angst vor der Literatur. Während eines Kuraufenthaltes wandte er sich erneut der Schriftstellerei zu. Seit 1971 freischaffender Schriftsteller. (ca. 1994)

Leben

Gerhard Meier wuchs in seiner Heimatgemeinde Niederbipp im bernischen Oberaargau auf. Da sich sein Berufswunsch – Architekt – nicht verwirklichen liess, begann er ein Hochbau-Studium am Technikum in Burgdorf. Nach dem Abbruch dieses Studiums trat er 1938 in eine Lampenfabrik in Niederbipp ein. Dort arbeitete er – nur unterbrochen von seinem Militärdienst während des Zweiten Weltkriegs – die folgenden 33 Jahre als Designer und schliesslich als technischer Leiter.

Meier hatte bereits während seiner Studienzeit erste schriftstellerische Versuche unternommen, die er jedoch mit dem Eintritt ins Berufsleben gänzlich aufgab. Er nahm die Beschäftigung mit der Literatur und das Schreiben erst wieder ab 1957 auf, als er wegen einer Tuberkulose-Erkrankung einige Zeit im Sanatorium in Heiligenschwendi verbringen musste. 1964 erschien sein erster Gedichtband, dem weitere Veröffentlichungen folgten. 1971 gab Meier seine Tätigkeit in der Industrie auf; er lebte seitdem als freier Schriftsteller in Niederbipp.

Einer breiteren Öffentlichkeit wurde er 1979 bekannt, als Peter Handke die Hälfte des ihm verliehenen Kafka-Preises Gerhard Meier zukommen liess. Jedoch auch nach dem Erscheinen seiner Hauptwerke in den Siebziger- und Achtzigerjahren und trotz einer stetig wachsenden Anerkennung durch die Literaturkritik verweigerte sich Meier weitgehend dem Literaturbetrieb und führte ein zurückgezogenes Leben in seinem Heimatdorf. 1997 verstarb seine Frau, mit der er seit 1937 verheiratet war und mit der er drei Kinder hatte.

Gerhard Meier hat Gedichte, lyrische Kurzprosa und Romane verfasst, in denen sich private Wahrnehmungen und Fantasien auf eigenwillige Weise verbinden. In seinen Akzentuierungen des Lokalen, Kleinräumigen und im besten Sinn Provinziellen gelangen ihm Betrachtungen von einer grossen Poesie, die an Robert Walser oder Adalbert Stifter erinnern.

Gerhard Meier ist am 22. Juni 2008, zwei Tage nach seinem 91. Geburtstag, im Spital Region Oberaargau in Langenthal verstorben.

Auszeichnungen

  • 1964, 1968, 1971 und 1975 Förderpreise des Kantons Bern
  • 1974 Autorenbeitrag der Stadt Bern
  • 1970 und 1976 Einzelwerkpreise der Schweizerischen Schillerstiftung
  • 1978 Literaturpreis der Stadt Bern
  • 1981 Grosser Literaturpreis des Kantons Bern
  • 1983 Petrarca-Preis
  • 1986 Gesamtwerkspreis der Schweizerischen Schillerstiftung
  • 1991 Fontane-Preis
  • 1991 Hermann-Hesse-Preis
  • 1992 Solothurner Kunstpreis
  • 1994 Gottfried-Keller-Preis
  • 1999 Heinrich-Böll-Preis

Werke

Einzelausgaben

  • Das Gras grünt. Gedichte. Benteli, Bern 1964
  • Im Schatten der Sonnenblumen. Gedichte. Kandelaber, Bern 1967
    • Einige Häuser nebenan. Ausgewählte Gedichte (aus Das Gras grünt und Im Schatten der Sonnenblumen). Zytglogge Verlag|Zytglogge, Gümligen 1973
  • Kübelpalmen träumen von Oasen. 60 Prosaskizzen. Kandelaber, Bern 1969
  • Es regnet in meinem Dorf. Gedichte. Walter, Olten 1971
    • Papierrosen. Gesammelte Prosaskizzen (aus Kübelpalmen träumen von Oasen und Es regnet in meinem Dorf). Zytglogge, Gümligen 1976
  • Der andere Tag. Ein Prosastück. Zytglogge, Gümligen 1974
  • Der Besuch. Roman. Zytglogge, Gümligen 1976
  • Der schnurgerade Kanal. Roman. Zytglogge, Gümligen 1977
    • Neuausgabe in der Reihe Schweizer Bibliothek: Tamedia, Zürich 2006
  • Toteninsel. Roman. Zytglogge, Gümligen 1979
  • Borodino. Roman. Zytglogge, Gümligen 1982
  • Die Ballade vom Schneien. Roman. Zytglogge, Gümligen 1985
  • Signale und Windstöße. Gedichte und Prosa. Auswahl und Nachwort von Heinz F. Schafroth. Reclam (UB 8552), Stuttgart 1989
  • Land der Winde. Roman. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1990
  • Das dunkle Fest des Lebens. Amrainer Gespräche (mit Werner Morlang). Bruckner & Thünker, Köln/Basel 1995
    • Erweiterte Neuauflage: Zytglogge, Oberhofen 2007, ISBN 978-3-7296-0734-7
  • Ob die Granatbäume blühen. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2005, ISBN 3-518-41677-4

Werkausgabe

  • Werke. 3 Bände, Zytglogge, Gümligen 1987–1989, ISBN 3-7296-0268-3
    • Neuausgabe in 4 Bänden: Zytglogge, Oberhofen am Thunersee 2008, ISBN 978-3-7296-0762-0

Einzeln:

  • Band 1: Einige Häuser nebenan / Papierrosen / Der andere Tag, ISBN 3-7296-0265-9
    • neu als: Gedichte und Prosaskizzen, ISBN 978-3-7296-0775-0
  • Band 2: Der Besuch / Der schnurgerade Kanal, ISBN 3-7296-0266-7
    • neu als: Die ersten Romane, ISBN 978-3-7296-0776-7
  • Band 3: Baur und Bindschädler. Borodino / Toteninsel / Ballade vom Schneien, ISBN 3-7296-0267-5
    • neu als: Baur und Bindschädler (ergänzt mit Land der Winde), ISBN 978-3-7296-0773-6
  • Band 4: Ob die Granatbäume blühen. Verstreute Texte. Reden und Materialien (hg. v. Werner Morlang), ISBN 978-3-7296-0774-3

Sonderausgabe

  • Baur und Bindschädler. Amrainer Tetralogie. Vier Bände in Kassette: Toteninsel, Borodino, Die Ballade vom Schneien, Land der Winde. Suhrkamp (Bibliothek Suhrkamp 6882), Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-518-06882-3

Bildband

  • Ein Spaziergang durch Olten mit Gerhard Meier (zusammen mit Peter André Bloch). Dietschi, Olten 1997

Hörbuch

  • Die Toteninsel. MP3-CD. Merian, Basel 2007, ISBN 978-3-85616-313-6

Literatur und Filme

Literatur

  • Fernand Hoffmann: Heimkehr ins Reich der Wörter. Versuch über den Schweizer Schriftsteller Gerhard Meier. Grossherzogliches Institut, Luxemburg 1982
  • Meier und Müller. du. Die Zeitschrift der Kultur, Heft Nr. 587, Zürich, Januar 1990
  • Sven Spiegelberg: Diskurs in der Leere. Aufsätze zur aktuellen Literatur der Schweiz. Peter Lang, Bern 1990
  • Dorota Sośnicka: Wie handgewobene Teppiche. Die Prosawerke Gerhard Meiers. Lang, Bern 1999, ISBN 3-906763-70-6
  • Andrea Köhler: An der Ostwand der Seele. Ein Besuch bei dem Schriftsteller Gerhard Meier. In: NZZ, 8./9. Januar 2000
  • Jan Watrak: Gerhard Meiers Lyrik und Kurzprosa, Lang, Frankfurt am Main 2002, ISBN 3-631-39108-0
  • Michel Mettler: Bleiben. Ein Bericht vom Reisen durch Gerhard Meiers erzählerische Weiten. In: NZZ, 10. Februar 2007
  • Werner Morlang: Genügsamkeit und Weite. In: Schweizer Monatshefte. Zeitschrift für Politik Wirtschaft Kultur. Heft 07/08, Juli/August 2007, S. 40f

Filme

Weblinks

Bestände UB Bern

Quellen

Dieser Text entstand auf Grundlage der Freien Enzyklopädie Wikipedia und wurde am 20.02.2011 hier eingestellt. Der Originaltext wurde unter der GNU Free Documentation License und der Creative Commons Lizenz (CC-BY-SA) veröffentlicht. (Originalversion in der Wikipedia)