Graffenried, Maria von

Maria von Graffenried, verheiratet: Maria von Fischer-von Graffenried (* März 1802 in Bern; † 5. Oktober 1855 in Bern)

Leben

"Maria von Graffenried, vermutlich die Tochter des 1842 zu Bern verstorbenen ehemaligen Gerichtsherrn von Burgistein, Emanuel von Graffenried, hat ihre Früchte einsamer Stunden, zwei Gedichtbände und nach deren guten Aufnahme einen Band Erzählungen bei C.A. Jenni in Bern veröffentlicht (1819-21). In der Vorrede zum ersten Gedichtband heisst es, dass nur durch die ermutigende Aufforderung von Freunden die Autorin es wage, 'diese kleinen Erzeugnisse stiller Abendstunden' der Öffentlichkeit vorzulegen, da 'weder Kunst noch Gelehrsamkeit dieselben schmücken'.

Ein bescheidenes formales Talent kann aber der Verfasserin gar nicht abgesprochen werden. Sie ist dazu von einer innigen Naturliebe und einem starken Glauben beseelt, die sich bald in Gedichten, bald in eingestreuter Prosa auszudrücken versuchen. Wenn zahlreiche Gedichte das überschwängliche Lob einer fremden Macht singen, so berührt das nur uns gerade heute peinlich, und das moralische Zöpfchen aus sentimentalem Zeitalter steht der Verfasserin sehr wohl an.

Es zeigt sich besonders keck in den Erzählungen. Das Gute und Gerechte feiert Triumpfe. Schöne brave ahnungslose junge Mädchen gelangen auf lichten Umwegen zu dem ebenso edlen Partner oder halten einem verstorbenen Geliebten ewige Treue. Ein anonymer Freier entpuppt sich als berühmte Persönlichkeit, und ein unmenschlicher Vater wird bekehrt. Die Erzählerin geht vormal geschickt vor, sie lässt nach bewährten Mustern ihrer Zeit Briefe schreiben oder aber sie setzt kühn mitten in der Handlung ein." (Quelle: Berta Berger in Frauenzeitung Berna, 11.10.1941, S. 75)

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