Frauchiger, Urs

Urs Frauchiger (* 17. September 1936 in Mungnau im Emmental, Kanton Bern) ist ein Schweizer Musiktheoretiker, Autor und Cellist. Er setzt sich für eine andere Musikerziehung ein, mit teilweise sehr kritischen, gegen die herrschenden Verhältnisse gerichteten Ansichten zu ästhetischen und gesellschaftlichen Fragen.

Persönlicher Beitrag

Geboren im Emmental, älter geworden in Bern, lebt in Zürich und Lissabon. Betrachtet das Buch als ein Ausdrucksmittel unter vielen: Radio, Fernsehen, Cello, Dialog und so. Schrieb gute Bücher, die Bestseller wurden, und bessere, die weniger Erfolg hatten. Wird seine besten Bücher später schreiben. (ca. 1994)

Leben

Von Haus aus ist Frauchiger Cellist, ausgebildet an der Hochschule für Musik (Basel). Cello spielte er 20 Jahre.

Er war Generalsekretär der europäischen Musikhochschulen, Honorarprofessor der Universität Bern. Ab 1970 betreute er die Musikabteilung im Studio Bern des Deutschschweizer Rundfunks, 1977 wurde er zum Direktor von Konservatorium und Musikhochschule Bern gewählt. Von 1992 bis 1997 leitete er die Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia mit Sitz in Zürich.

Urs Frauchiger wirkt zudem als wichtiger Vermittler von Musik in verschiedenen Medien und als Juror internationaler Musikwettbewerbe (z.B. „Concours international d’exécution musicale de Genève“ und „CREDIT SUISSE GROUP Young Artists Award“)

Theorien

Frauchiger steht pessimistisch der modernen Musik und unserer Fähigkeit zu hören, die sich verschlechtert habe, gegenüber. Er erinnert beispielsweise an eine Zeitungsmeldung, in der stand, dass in Schweden ein U-Boot in einem Einsatz nur metallischen Müll auf dem Meeresgrund beschossen habe, weil die Besatzung die Wasserschallgeräte nicht mehr hören konnte und es schwer sei, heute noch Rekruten zu finden, deren Gehör gut funktioniere. Frauchiger hat keine militärischen Anliegen, sondern nimmt diese Zeitungsmeldung nur als Beweis. Er bemerkt, erst wenn die Wehrfähigkeit darunter leide, werde wegen des kaputten Gehörs Alarm geschlagen.

Frauchiger geht diesen Entwicklungen auf den Grund und unterscheidet zwischen dem rein physischen Hören-Können und dem Zu-Hören-Wissen. Er behauptet, es gebe Menschen, die zwar beim Arzt jeden Hörtest mit Glanz beständen, jedoch trotzdem nicht gut hörten. Weiter seien die Jugendlichen nicht wegen der Discomusik hörgeschädigt, sondern sie hörten Discomusik, weil ihnen das Hören nicht gelehrt wurde. Mit ihren „Ghettos“ der stickigen Discomusik grenzten sie sich nur gegen den Lärm der anderen. Wenn sie es schon nicht ruhig haben könnten, wollten sie wenigstens ihren eigenen Lärm hören, um sich mit dem einen Lärm gegen den anderen abzugrenzen.

Frauchiger zitiert eine Prophezeiung von Arthur Honegger, dass die Menschen einmal nicht mehr fähig sein würden, halbe von ganzen Tönen zu unterscheiden. Er sieht ganz allgemein einen Verlust des Hörens und Empfangens, stattdessen sendeten die Menschen immer mehr. Er geht noch weiter und glaubt, das Hörenwollen hänge damit zusammen, ob man je Töne der Liebe gehört habe. Wer solche gehört habe, werde auch künftig danach hören wollen.

Werke

Schriften

  • „Mani Matter“, Sudelhefte, Benziger, Zürich, 1974
  • „Mani Matter“, Rumpelbuch, Benziger, Zürich, 1976
  • „Rajane, Engel und Triangel. Musikalische Legenden aus dem verlorenen Paradies“, 1986
  • „Verheizte Menschen geben keine Wärme. Plädoyer für eine selbstbewusste Kultur“, 1988
  • „Äuä de scho. Zyt/losi Täggschte. Mundartlieder, Texte aus der DRS-Zytlupe und ein "Schreckmümpfeli“, 1989
  • „Mit Mozart reden“, 1990
  • „Die Schweiz“, Aufbruch aus der Verspätung, Weltwoche, Zürich, 1991
  • „Was zum Teufel ist mit der Musik los? Eine Art Musiksoziologie für Kenner und Liebhaber“, 1991/1992
  • „Die Rückkehr der Musen“, Vorlesung, Universitätsverlag Konstanz, 1992
  • mit Hans A Lüthy, Jura Brüschweiler, und Oskar Bätschmann: „Ferdinand Hodler. Views and Visions“, 1994
  • „Blickpunkt Schweiz“, NZZ, Zürich 1995
  • „Begegnungen mit Yehudi Menuhin“, Krebser, Thun 1996
  • „The New Switzerland“, The Society for the Promotion of Science and Scholarship Palo Alto, 1996
  • „Schallwellen“, Zur Geschichte des Radios. Vorlesung, Chronos, Zürich, 1996
  • „Vom Landschaftsgarten zur Gartenlandschaft“, Hochschulverlag ETH, 1996
  • „Kultur als Verpflichtung“, NZZ, Zürich, 1996
  • „...am literarischen Webstuhl ...“, Ulrico Hoepli NZZ, 1997
  • „Persönlichkeitsentfaltung durch Musikerziehung?“, Vorlesung. Chronos, 1997
  • „Swiss, Made“, Die Schweiz im Austausch mit der Welt, Scheidegger und Spiess, Zürich, 1998
  • „Wilderness Light“, Switzerland Rediscovered, Stemmle, New York, 1998
  • mit Max Schmid: „Wo die Berge geboren wurden. Die Schweiz fotografiert“, 1998
  • „Entwurf Schweiz. Anstiftung zur kulturellen Rauflust“, Ammann, 2000
  • mit François DeCapitani, Roman Brotbeck, und Gerhard Anselm: „Schweizer Töne. Die Schweiz im Spiegel der Musik“, 2000
  • „Der eigene Ton. Gespräche über die Kunst des Geigespielens“, 2000
  • „Schweizer Töne“, Die Schweiz im Spiegel der Musik. Vorlesung, Chronos, 2000
  • „Weltkunst auf dem Lande“, hier+jetzt, Baden 2000
  • mit Jutta Limbach, Wolfgang Huber, Ruth Dreifuss: „Ist der Rechtsstaat auch ein Gerechtigkeitsstaat?. Interdisziplinäre Referatsreihe an der Universität Basel im Wintersemester 1998/1999.“ In Zusammenarbeit mit der „Stiftung Mensch“, 2000
  • „Ich“, Buch zum Festival. Stroemfeld, 2003
  • „Musik und Medizin“, Zwei Künste im Dialog, Chronos, Zürich, 2003
  • „Mein Mozart“, Essays. 2005
  • „In Betrachtung des Mondes“. Erzählungen. 2006.

Hörspiele/Radiosendungen

  • „Top class classics“, gesendet: Schweizer Radio DRS und ausländische Sender, 1974–1980
  • „Wär isch es?“, gesendet: 1980–1987
  • „Manufaktur“, gesendet: 1988–1990

TV/Film/Video

  • „Sternstunde Philosophie 1999“
  • „Einführungen zu Concerto grosso“, produziert: 1995–1997
  • „Mani Matter – Warum syt dir so truurig?“ (Darsteller), 2002

Auszeichnungen

Literatur

  • „Persönlichkeiten in Bern“, Emmentaler Druck, 1987
  • „Schweizer Lexikon“, Luzern, 1991
  • „Geistreicher Querdenker feiert den Sechzigsten“, sda, 1996
  • „Autor/in der Kritik: Willi Schmid in: Laudatio zur Verleihung des Paul Haupt-Preises“, 1997

Weblinks

Bestände UB Bern

Adresse: Dillileeweg 7, 8700 Küsnacht Heimatort: Direktor Pro Helvetia 1991-1997, Musiker

Quellen

Dieser Text entstand auf Grundlage der Freien Enzyklopädie Wikipedia und wurde am 20.02.2011 hier eingestellt. Der Originaltext wurde unter der GNU Free Documentation License und der Creative Commons Lizenz (CC-BY-SA) veröffentlicht. (Originalversion in der Wikipedia)