Christen, Kuno

Kuno Christen (* 8.2.1902; † ?)

Mitglied im Berner Schriftstellerinnen und Schriftsteller Verein (BSV).

Leben

"Ein Mensch auf dem Umwege zu sich - so ist man versucht zu sagen, wenn man dem verschlungenen Lebenslaufe des am 8. Februar in Bern geborenen Kuno Christen nachgeht. Solche Sucher der eigenen Bestimmung sind meist sehr wertvolle Menschen. Ob sie an ihr Ziel gelangen, hängt im wesentlichen von Fügungen ab, die ausserhalb menschlichen Vermögens liegen. In den frühen Kinderjahren war Kuno Christen viel krank. Das wirkte sich natürlich auch in der Schule aus. Er glänzte dort nie als Bester; mitten aus der Handelsquarta entfloh er. Sein Vater brachte ihn hierauf zu einem Architekten in die Lehre, aber auch hier entlief er. Die Eltern verzweifelten. Er wollte Künstler werden! Mit Begeisterung besuchte er die Kunstgewerbeschule von Bern und Zürich, lebte dann in dieser Stadt als freier Grafiker, fühlte aber bald, dass auch dieser Beruf nicht seinem Wesenskern entsprach, nicht seine Berufung sei. So wandte er sich der Theologie zu. Um studieren zu können, erarbeitete er sich nun in kurzer Zeit die Literaturmaturität.

Während der Universitätsjahre tauchten erneut Skrupel auf, ob der beschrittene Weg auch der endgültig richtige sei. Sie wurden aber später durch die Amtsausübung zerstreut. In ihr ging ihm der tiefste Gehalt der Theologie auf und machte ihn glücklich. Das seelsorgerische Ringen erfüllte ihn ganz. Er schien sein Ziel wirklich gefunden zu haben. Zwar war er daneben noch schriftstellerisch tätig, doch gliederten sich seine Schriften in sein pfarrherrliches Wirken ein.

Über ein Jahrzehnt war er Pfarrer im Oberland, in Ringgenberg und Unterseen, dann wurde er als solcher nach Zürich-Oerlikon berufen. Er hoffte dort, wo er als Jüngling den Beruf gewechselt hatte, möglichst lange in der Vollkraft des Mannes wirken zu können. Und doch hat er wenige Jahre später dem Pfarramte entsagt und lebt nun in stiller Zurückgezogenheit im Waadtland auf der Suche eines neuen Weges zu sich." (Quelle: Berner Schrifttum 1925-1950, Francke 1949, S. 39-40)

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