Brühlmann, Sepp

Sepp Brühlmann (* 5.7.1947; † 14.10.1989 in Bern)

Mitglied im Berner Schriftstellerinnen und Schriftsteller Verein (BSV).

Leben

"Sepp (Josef) Brühlmann wurde als ältestes von drei Kindern in Appenzell geboren und lebte bis zu seinem 17. Altersjahr in schwierigen Verhältnissen. Nach aussen hin wuchs er in einer frommen, intakten Familie auf, doch litten die Kinder schwer unter dem Jähzorn ihres gewalttägigen Vaters und an der Unnahbarkeit ihrer arbeitssamen und gottesfürchtigen Mutter. 1964 verspekulierte der Vater das von der Mutter erwirtschaftete Familienvermögen, der Konkurs zwang die Familie zum Umzug nach Weesen, wo die Mutter – die diese Schande nie verwinden konnte – drei Jahre später starb.

Trotz denkbar schlechter Voraussetzungen schloss Sepp Brühlmann eine Handelsschule ab und arbeitete fortan als kaufmännischer Angestellter. Dabei fand er Gelegenheit, seiner Leidenschaft, dem Schreiben, nachzugehen. Er schrieb Briefe, verfasste Reportagen für Betriebszeitungen und eigene Manuskripte. Schon mit 20 Jahren konnte er sein erstes Büchlein 'Mitternacht' publizieren. Seine liebenswürdige Art und sein Talent verschafften ihm Kontakte über die Landesgrenzen hinaus. Über Holland schrieb er beispielsweise diverse Artikel und ein Reisebuch. Dafür bekam er von der Stadt Rotterdam die Ehrennadel, das silberne Andreaskreuz.

Ab 1971 unterstütze Sepp Brühlmann seinen jüngeren Bruder Mario beim Studium, indem er ihn in Zürich bei sich wohnen liess und für einen Teil seines Unterhalts aufkam. Sepp Brühlmann hatte inzwischen eine rumänische Verlobte und kämpfte mit den Behörden einige Jahre darum, sie heiraten und in die Schweiz holen zu dürfen. Die Hochzeit fand schliesslich in Rumänien statt, die Braut jedoch kam nie in Zürich an. Sie verschwand und wurde später in Deutschland wegen Spionage verhaftet. In diesem Zusammenhang geriet auch Sepp Brühlmann unter Verdacht. Niemand glaubte Sepp, dass er nichts davon gewusst habe. Auch die Annullierung der Ehe wurde ihm nicht erlaubt und so musste er sich von der Frau, die er seit der Hochzeit nie mehr gesehen hatte, aufwändig scheiden lassen. In dieser schwierigen Zeit entstand das Manuskript zu „Babuska“.

Inzwischen war Sepp Brühlmann Bürochef und hatte die Verantwortung für 25 Büroangestellte. Es ging ihm gesundheitlich schlecht, es kam regelmässig vor, dass er während der Arbeit ohnmächtig wurde. Sein Umfeld ging von epileptischen Anfällen aus. Nach mehreren Jahren ohne verlässliche Abklärungen wurde ihm ein Gehirntumor diagnostiziert und Sepp Brühlmanns brach vollständig zusammen. Er kündigte seine Arbeitsstelle, aber wandte sich an verschiedene Stellen, um Genaueres zu seinem Zustand zu erfahren. Die finanzielle und gesundheitliche Ungewissheit führten dazu, dass er immer mehr Alkohol trank. Die Diagnose, die ihm im Epilepsiezentrum in Zürich letztendlich gestellt wurde, lautete entsprechend: Spätepilepsie durch Alkoholmissbrauch.

Sepps Bruder Mario hatte inzwischen sein Studium beendet und war als Betriebsökonom Kadermitglied in einer Maschinenfabrik in Nidau. Es gelang ihm, seinem Bruder über diese Beziehungen eine Stelle als Kaufmann in Lyss zu verschaffen. Obwohl dies eine hohe Anstellung war, verdiente Sepp Brühlmann nur einen Hungerlohn. Daneben wurde er Kinderlager-Leiter der Kirche. Die Mutter eines der Kinder, welche er als Lagerleiter kennen lernte, war ihm so sympathisch, dass er ihr sein Manuskript 'Babuska' zur Aufbewahrung anvertraute. Von dieser Frau, Ruth, fühlte er sich verstanden. Da er die Unberechenbarkeit seiner Krankheit fürchtete, war es ihm wichtig, sein Werk in Sicherheit zu wissen. Sepp Brühlmann machte eine Entziehungskur in der 'Nüchtern' in Kirchlindach. Noch während seines Aufenthalts dort heirateten er und Ruth. Damit wurde Sepp Brühlmann nicht nur Ehemann, sondern auch der neue Vater von Ruths beiden Kindern.

Auch nüchtern fiel Sepp Brühlmann jede Arbeit schwer, die Anfälle hörten nicht auf. Nach weiteren massiven gesundheitlichen Problemen wurde er ins Inselspital in Bern eingeliefert, wo erstmals seriöse Abklärungen begonnen wurden. Nach fast zwei Jahren bekam er eine neue Diagnose: Temporallappen-Epilepsie aufgrund von Vernarbungen. Sepp Brühlmann hatte nie jemandem erzählt, dass sein Vater ihm mit seinen Bergschuhen so lange getreten hatte, bis er ohnmächtig geworden war.

Die IV-Rente ermöglichte der Familie nun endlich ein eigenständiges, wenn auch sehr bescheidenes Leben. Trotz weiteren Schicksalsschlägen, wie eine schwere Krankheit seiner Frau, verbrachte Sepp Brühlmann die Achzigerjahre in Harmonie und Dankbarkeit. 1989 musste Sepp Brühlmann erneut wegen heftigen Kopfschmerzen ins Spital – dort entdeckte man, dass er Krebs hatte. Er wurde die letzten Monate zuhause umsorgt und starb im Oktober 1989 im Kreise der Familie." (Quelle: Ruth Brühlmann : Lebenslauf Sepp Brühlmann, in Babuschka, Juni 2011)

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