Aktuell 2018-05-31: Verleihung von sieben literarischen Auszeichnungen und vier Schreibstipendien

30. Mai 2018 – Medienmitteilung; Erziehungsdirektion

Das Amt für Kultur des Kantons Bern und die kantonale deutschsprachige Literaturkommission verleihen 2018 sechs Literaturpreise für herausragende Arbeiten. Ausgezeichnet werden Gornaya, Bettina Gugger, Lukas Hartmann, Barbara Lutz, Beat Sterchi und Raphael Urweider. Eine Auszeichnung für die Herausgabe des Werks von «Walter Vogt: hani xeit» geht an Fredi Lerch. Je ein Berner Schreibstipendium erhalten Gornaya, Sandra Künzi, Wilfried Meichtry und Levin Westermann. Die öffentliche Preisverleihung findet am 26. Juni 2018 in der Dampfzentrale in Bern statt.

Im Jahr 2017/18 hat die deutschsprachige Literaturkommission des Kantons Bern rund 90 Werke evaluiert: Buchpublikationen aller Gattungen, öffentlich aufgeführte Theaterstücke, Hörbücher und Hörspiele sowie Spoken-Word-Texte und Audio-CDs. Auf Empfehlung der Kommission vergibt der Kanton Bern 2018 sechs Literaturpreise, dotiert mit je 10ʼ000 Franken, und eine Auszeichnung für eine editorische Leistung in der Höhe von 5ʼ000 Franken. Die Preisträgerinnen und Preisträger werden an der öffentlichen Preisverleihung mit anschliessendem Apéro am Dienstag, 26. Juni 2018, 19.30 Uhr, Dampfzentrale Bern, gefeiert und stellen die ausgezeichneten Werke in Kurzauftritten vor.

Geehrt werden an dem Anlass zudem die Empfängerinnen und Empfänger der Berner Schreibstipendien 2018: Je ein Stipendium in der Höhe von 10'000 Franken erhalten Gornaya, Sandra Künzi, Wilfried Meichtry und Levin Westermann für ihre aktuellen Projekte. Zudem finanziert der Kanton wo gewünscht eine professionelle Begleitung des Schreibprozesses im Sinne eines Mentorats oder Coachings (mit je 2'000 bzw. 3'000 Franken).

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Hinweis

Die ausgezeichneten Autorinnen und Autoren und ihre Werke

In dem in Bern uraufgeführten Stück «Island. Als Freunde sind wir erbarmungslos» (Hartmann und Stauffacher) erkundet Gornaya das Spannungsfeld zwischen Krieg und Frieden, Gewalt und Diplomatie mit dramaturgischer Finesse, scharfem Humor und viel Sinn für die Wirkungsweisen der Bühne.

Bettina Gugger entwirft in «Ministerium der Liebe» (boox-verlag) ein kunstvolles (Beziehungs-) Geflecht zwischen so unterschiedlichen Figuren wie der Museumsmitarbeiterin Lara oder dem Zauberer Lucas. Die 14 «Short Cuts» bestechen durch ihren Witz und den Hang zum Surrealen. Sie führen die Figuren von Bukarest nach Biel, vom Kunstmuseum zum Campingplatz – und lassen alle Wege auf überraschende Weise kreuzen.

Barbara Lutz erzählt im Roman «Keinen Seufzer wert» (Limmat) eindringlich, wie ein arbeitsloser Schuhmacher mit Frau und Kindern bei einem entfernten Verwandten unterkommt. Die schwer erträgliche Sprachlosigkeit, Armut und Engherzigkeit führen schlussendlich zu einem historisch belegten Verbrechen, das 1861 zur letzten Hinrichtung im Emmental führte. Die fein gezeichneten Charakterzüge und die Spannung der Handlung sind die Stärken dieses Romans.

Im Roman «Ein Bild von Lydia» (Diogenes) erzählt Lukas Hartmann einfühlsam die Geschichte von Lydia Welti-Escher aus der Sicht des «Dienstmädchens» Luise, die ihrer Herrin bis zu deren Tod die Treue hält. Gekonnt verbindet er Fakten und Fiktion und schafft zwei Porträts von sehr unterschiedlichen Frauen, die eng miteinander verbunden waren.

In «Aber gibt es keins» stellt Beat Sterchi (Der gesunde Menschenversand) als Chronist der Alltagssprache seinen Gedichten eine visuelle Poesie gegenüber, die konkreter nicht sein könnte. Dabei offenbart er das parodistische und philosophische Potenzial der Wiederholung.

Raphael Urweiders Gedichtband «Wildern» (Hanser) zeigt den Lyriker auf der Höhe seines Schaffens. Die Zyklen und Langgedichte bestechen durch das poetische Zusammenspiel von sprachlichem Bilderreichtum, hohem Reflexionsniveau und kunstfertiger Komposition.

Der Publizist Fredi Lerch versammelt in «Walter Vogt: hani xeit» (Der gesunde Menschenversand) eine abwechslungsreiche Auswahl von Vogts Mundarttexten. Die zeitkritischen Radiokolumnen von 1970 und die sprachverspielte Lyrik beinhalten frappante Aktualität. Der 1988 verstorbene Berner Schriftsteller war u.a. mit dem Kollegen Kurt Marti Teil der Schweizer modern-mundart-Bewegung. Lerch lädt zur anregenden Wiederentdeckung des fast in Vergessenheit geratenen Wegbereiters der Spoken-Word-Szene ein.

(Quelle)