Beutler, Maja

Maja Beutler (* 8. Dezember 1936 in Bern) ist eine Schriftstellerin der Deutschschweiz.

Mitglied im Berner Schriftstellerinnen und Schriftsteller Verein BSV, im Verband Autorinnen und Autoren der Schweiz sowie des P.E.N.

Persönlicher Beitrag

"Vater konnte kein Wort Italienisch. Und doch herrschte bei uns Zweisprachigkeit, auf gut Deutsch. Vielleicht, weil Mutter aus einem Guss war: tatkräftig, schweizerisch, aus bester Familie. Und Vater war zur Hälfte italienisch, zur Hälfte österreichisch und im Grossen und Ganzen unehelich. Sobald ich reden konnte, versuchte ich mich als Übersetzerin zwischen den häuslichen Fronten. Hätte ich mich je entschieden für die eine oder andere Sprache, so würde ich heute vermutlich nicht schreiben. Aber Vater war ein Revolutionär, der sich nicht zur Handlung bringen konnte. Das weite Feld der Wirklichkeit hat er Mutter geräumt: sie hat uns erzogen, sie hat für uns Zukunftspläne gemacht, sie hat die Familie zusammengehalten. Und Vater saß reglos am Schreibtisch und drehte Buchseiten. Er hat sein Leben verlesen, wie andere es vertrinken. Ganz still hat er dagesessen und trotzdem die ganze Familienwirklichkeit in die Luft gesprengt. Oder ist Lesen etwas anderes als Rebellion gegen die Realität? Wenn ich schreibe, zettle ich jedenfalls Widerstand an – da bin ich mir ganz sicher." (2012)

Leben

Maja Beutler ist in Bern aufgewachsen. Sie arbeitete als Übersetzerin, nachdem sie die Dolmetscherschule Zürich abgeschlossen hatte. Ausserdem absolvierte sie mehrere Studienaufenthalte in Frankreich, England und Italien. 1976 trat Maja Beutler mit der Geschichtensammlung Flissingen fehlt auf der Karte an die Öffentlichkeit. 1983/84 war sie als Hausautorin im Stadttheater Bern tätig und arbeitete ausserdem jahrelang als freie Mitarbeiterin beim Schweizer Radio DRS. Sie gehört zu den wenigen Schweizer Dramatikerinnen im deutschsprachigen Raum. Heute lebt sie in Bern.

Auszeichnungen

  • Förderpreis der Stadt Bern 1975
  • Buchpreis der Stadt Bern 1976, 1981, 1984
  • Preis der Schweizerischen Schillerstiftung 1983
  • Welti-Preis für das Drama 1985
  • Literaturpreis der Stadt Bern 1988
  • «Weiterschreiben», Stadt Bern 2011

Werke

Epik

  • Flissingen fehlt auf der Karte. Geschichten. Zytglogge, Gümligen 1976
  • Fuss fassen. Roman. Zytglogge, Gümligen 1980
  • Die Wortfalle. Roman. Benziger, Zürich 1983
  • Das Bildnis der Doña Quichotte. Erzählungen. Nagel & Kimche, Zürich 1989
  • Die Stunde, da wir fliegen lernen. Roman. Nagel & Kimche, Zürich 1994
  • Schwarzer Schnee. Erzählungen & Das Album der Signora. Zytglogge, Oberhofen 2009
  • Ich lebe schon lange heute. Texte 1973 bis 2013. Zytglogge, Oberhofen 2013

Gesammelte Radiotexte in Buchform

  • Wärchtig. Texte zum neuen Tag. Zytglogge, Gümligen 1985
  • Beiderlei. Texte zum neuen Tag. Nagel & Kimche, Zürich 1991
  • Tagwärts. Neue Radiotexte in Deutsch und Berndeutsch. Nagel & Kimche, Zürich 1996

Dramen

  • Das Blaue Gesetz, Uraufführung 1979
  • Der Traum, Ballettlibretto, Uraufführung 1980
  • Das Marmelspiel, Uraufführung 1985
  • Lady Macbeth wäscht sich die Hände nicht mehr, Uraufführung 1994

Radio–Features

  • Ich hab’s gewagt. Walter Mehring, wie er schreibt und lebt, 1978
  • Es gibt kein Zurück. Gedenksendung für Walter Mehring, 1981

Literatur

  • Linda M. Hess-Liechti: Das Gefängnis geht nebenan weiter... Studien zur mentalen Gefängnis- und Befreiungsthematik in Prosatexten von Margrit Baur, Maja Beutler und Margrit Schriber. Akademischer Verlag, Stuttgart 1996, ISBN 3-88099-327-0

Weblinks

Bestände UB Bern

Quellen

Dieser Text entstand auf Grundlage der Freien Enzyklopädie Wikipedia und wurde am 20.02.2011 hier eingestellt. Der Originaltext wurde unter der GNU Free Documentation License und der Creative Commons Lizenz (CC-BY-SA) veröffentlicht. (Originalversion in der Wikipedia)